Pressemitteilung Gendreck-weg

14. Dezember 2012

*Die neue Genehmigung der Genweizen-Freisetzung in Üplingen ist kein
  Garant für Risikofreiheit
*Das IPK Gatersleben steht für schlampige Versuchsausführung

Das IPK Gatersleben möchte noch im Jahr 2012 gentechnisch veränderten Winterweizen freisetzen, nachdem sie am 5.12.2012 eine Genehmigung vom Bundesamt für Verbraucherschutz bekommen haben. Die Gaterslebener Feldbefreier von 2008, zumeist Landwirte und Gärtner, sind erneut geschockt: „Es ist unfassbar, dass sie es wieder tun. Und dann schon wieder mit der typischen Schlamperei. Winterweizen wird normalerweise bis spätestens Mitte November ausgesät. Obwohl Zweck der neuen Freisetzung die Gewinnung agronomischer Daten sein soll, kommt es dem IPK offensichtlich auf eine Vergleichbarkeit gar nicht an. Das IPK scheint nichts aus den Skandalen der Vergangenheit gelernt zu haben,“ so Mirjam Anschütz, die den letzten Genweizenversuch zusammen mit anderen unschädlich machte. Im Laufe der Prozesse gegen sie und ihre fünf Mitstreiter gelang es ihnen, aufzuzeigen, wie verantwortungslos diese Freisetzung war. So war der Versuchsaufbau gar nicht geeignet, zu wissenschaftlich haltbaren Ergebnissen zu kommen, Sicherheitsauflagen, wie die Anlage von Mantelsaaten, oder das Aufstellen von Zäunen zum Schutz von Tieren wurden nicht eingehalten, Förderungsgelder ausgegeben, obwohl beantragte Untersuchungen nicht vorgenommen wurden. Anschütz: „Wir haben diese Skandale der Staatsanwaltschaft, der Aufsichtsbehörde und dem BVL mitgeteilt und in einer Broschüre veröffentlicht. Doch die Verflechtungenzwischen der Genehmigungsbehörde, den Förderungsgremien, der Aufsichtsbehörde und dem IPK Gatersleben bestehen offensichtlich weiter.“

Die Staatsanwaltschaft habe jedoch nicht ermittelt, sondern von den Beschuldigten der Strafanzeige wegen Subventionsbetrugs erklären lassen, dass alles seine Ordnung habe. Die Feldbefreier legen jetzt eine Beschwerde gegen die Einstellungen der Ermittlungen ein.

Als in den Jahren 2006 bis 2008 vom IPK Gatersleben gentechnisch veränderter Weizen in unmittelbarer Nähe der weltweit einzigartigen Sammlung von Nutzpflanzen der Genbank Gatersleben aus aller Welt insbesondere auch Weizen, freigesetzt wurde, gab es riesige Proteste.Neben dem hohen Auskreuzungsrisiko auf die Weizensorten der Genbank, wurde vor allem die Tatsache, dass Pflanzen mit Antibiotikamarkergenen freigesetzt wurden kritisiert. Doch 30 000 Einwendungen und zahlreiche Stellungnahmen international renommierter Wissenschaftler konnten die Freisetzung nicht verhindern.

Für Rückfragen steht Mirjam Anschütz unter m.anschuetz@gaia.de zur Verfügung.

Weitere Rückfragen beantwortet die Verfasserin der Broschüre Risiken und Nebenwirkungen über die erste Genweizen-Freisetzung des IPKs, Rechtanwältin Katrin Brockmann, unter 030-28876783


Freitag, 21. September 2012

* Nach 23 Tagen frei
* Gentechnikgegner übt scharfe Kritik am Gefängnissystem

„Gefängnis ist nicht Resozialisierung, sondern Rache am Gefangenen“, so fasst E. Müller seine Erfahrungen nach 23 Tagen Haft zusammen. Der Gentechnikgegner wurde heute aus der Berliner JVA Plötzensee entlassen. Dort saß er nach einer Feldbefreiung der Gruppe Gendreck-weg 2008 im fränkischen Kitzingen ein, nachdem er sich weigerte, die festgesetzte Geldstrafe für seine Tat zu zahlen oder seine Zahlungsunfähigkeit nachzuweisen. „Im Gefängnis werden systematisch Leben von Menschen zerstört. Zum Freiheitsentzug kommen quälende Langeweile, die Willkür der Beamten, faktische Rechtslosigkeit der Gefangenen, Desinformation und ein ständiger Mangel an geschützter Privatsphäre.“ Schon das sei für die meisten nur schwer aushaltbar. „Ein Mitgefangener wollte sich das Leben nehmen – er hat mir den Abschiedsbrief an seine Mutter in die Hand gedrückt“, so Müller. Wer die Zeit im Gefängnis überstehe, stünde nicht selten vor den Trümmern seines Lebens. „Ehe, Freundschaften, Job, Wohnung, Geld – immer wieder habe ich gehört, dass das nach kurzer Zeit schon weg war.“

In der Öffentlichkeit herrsche ein Bild des bösen, brutalen Gefangenen vor, der seine Strafe verdient habe. „So jemanden habe ich während meiner Haft nicht getroffen“, so der Berliner. Sogar das Gesetz rede inzwischen nur noch von Resozialisierung und dem Schutz der Gesellschaft, nicht aber von Rache oder Bestrafung. „Die realen Haftbedingungen sprechen den wohlklingenden Grundsatz-Paragraphen 2 und 3 des Strafvollzugsgesetzes Hohn“, so Müller.

Das Gefängnis resozialisiere die Gefangenen genauso wenig wie es die Gesellschaft schütze. Im Gegenteil fördere es sogar kriminelle Karrieren. „Ich habe im Knast – ohne danach zu fragen – erfahren, wie ich mich an EC-Karten-Fälschungen beteiligen und wo ich Heroin kaufen kann“, sagt der Diplom-Mathematiker. „Ich habe schlicht das Glück, dass ich nicht auf eine dieser Möglichkeiten angewiesen bin.“

In der JVA Plötzensee werden ausschließlich Geldstrafen abgesessen. „Hier wird der Zynismus besonders deutlich. Dort landet nur, wer nicht einfach, wie reichere wie reichere Teile der Bevölkerung ein paar hundert oder tausend Euro bezahlen kann. Ein ganzes großes Gefängnis nur für Leute ohne Geld.“

Der Gentechnikgegner wurde heute nach 23 Tagen von besorgten Freundinnen und Freunden freigekauft.

Für Rückfragen: E. Müller, 0151 - 10 70 50 30


Erasmus ist in der JVA
Plötzensee und seine Postadresse ist

Erasmus Müller
z.Z. JVA Plötzensee
Friedrich-Olbricht-Damm 16
13627 Berlin

Schreibt fleißig!
Und unten stehend die Pressemitteilung, die kurz vorher rausging.

   Pressemitteilung
   Gendreck-weg Berlin 30. August 2012

   * Feldbefreier in Berliner JVA
   * Aktivist erklärt seine Motivation, weiter gegen Gentechnik
      in der Landwirtschaft zu streiten

Heute trat der 34-jährige Gentechnikgegner und Feldbefreier aus Berlin seine politische Haft an. Nach einem kurzen Gespräch mit der Gerichtsvollzieherin im Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg händigte sie ihm den Haftbefehl aus und übergab ihn an Polizeibeamte, die ihn zu einer Justizvollzugsanstalt im Stadtgebiet brachten.

Der Aktivst hatte 2008 nach vorheriger öffentlicher Ankündigung mit vielen anderen Menschen zusammen gentechnisch manipulierten Mais im fränkischen Kitzingen unschädlich gemacht. Schon 2009 war er zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er entschied sich bewusst, das Geld nicht zu zahlen: "Nach wie vor ist die sogenannte Grüne Gentechnik auf dem Vormarsch. Wir bräuchten stattdessen dringend Schutz und Förderung der bäuerlichen, gentechnikfreien Landwirtschaft. Ich bin nicht bereit, Geld zu zahlen an einen Staat, der weiterhin die Gentechnikindustrie unterstützt."

Zwar sei MON810 in einigen Ländern derzeit verboten, aber Gentech-Konzerne wie Bayer, BASF und Monsanto verkauften ihre schädliche Saat weltweit. In den USA und Kanada sei es bereits nicht mehr möglich, gentechnikfrei Raps oder Soja anzubauen. Einmal ausgebrachte genmanipulierte Pflanzensorten seien nicht mehr rückholbar - mit unabschätzbaren Folgen für Mensch und Natur.

Doch dem Aktivisten geht es um mehr. Müller: "Noch schlimmer als das ökologische und gesundheitliche Russisch-Roulette finde ich, dass es den Konzernen erklärter Maßen um nichts Geringeres geht, als die Ernährung der Menschheit unter ihre Kontrolle zu bringen". Schon jetzt hätten sich in Indien tausende Kleinbauern das Leben genommen, weil sie durch den Anbau genmanipulierter und somit patentierter Sorten in die wirtschaftliche Abhängigkeit der großen Konzerne geraten seien. "Seit Anbeginn der Zivilisation ist es zentrale und für die Welternährung unabdingbare Praxis, dass LandwirtInnen ihr Saatgut selbst nachziehen, regional anpassen und untereinander austauschen", so der Feldbefreier weiter. "Diese Grundlage unseres Überlebens auf der Erde wird derzeit für den kurzfristigen Profit einiger Konzerne zerstört und privatisiert. Millionen und Abermillionen Bäuerinnen und Bauern werden gezwungen, Jahr für Jahr das teure, patentierte, weltweit gleiche Saatgut zu kaufen." Die anderen, resistenten, regional angepassten Sorten würden verdrängt. Wenn dann, wie beispielsweise in Indien bei Gentech-Baumwolle im großen Maßstab geschehen, auch noch die Erträge zurückgingen, vernichte das Existenzen. "Die Bäuerinnen und Bauern werden zu Wirtschaftssklaven der Konzerne", meinte Müller. "Das ist schlimm. Noch schlimmer ist, dass bald alle Menschen eine handvoll Konzerne um ihr Essen anbetteln werden müssen."

Zu seiner Verurteilung sagte der Gentechnikgegner: "Dass die Landwirtschaftsministerin den von uns zerstörten Gen-Mais ein Jahr später selbst verboten hat, zeigt, dass nicht wir, sondern die Gentechnik-Mafia eine Gefahr für unsere Gesellschaft ist. Sämtliche gesundheitlichen und ökologischen Risiken waren Jahre zuvor bekannt. Trotzdem wäre der Mais ohne unsere Aktion zur Blüte gekommen und hätte seine unkontrollierbaren Pollen verbreitet. Obwohl schon lange eine Mehrheit der Menschen Gentechnik auf Acker und Teller ablehnt, hat der Staat erst gehandelt, nachdem zahllose Aktionen ihn über Jahre dazu gedrängt hatten. Hier wird deutlich, dass wir uns nicht auf BerufspolitikerInnen verlassen dürfen, sondern Demokratie immer wieder selbst erkämpfen müssen."

   Website: www.gendreck-weg.de

   Für Rückfragen

   * Jutta Sundermann, Gendreck-weg, 0175 / 86 66 76 9


Freispruch für Feldbefreier

Am 6. Dezember wurde der Feldbefreier Thomas Janoschka freigesprochen, der zusammen mit anderen AktivistInnen im Sommer 2010 nach vorheriger Ankündigung einige Gentech-Kartoffelpflanzen auf einem Feld in Zepkow unschädlich gemacht hatte. Die Anklage lautete auf Hausfriedensbruch und erwies sich als haltlos.

Hier weiterlesen: Pressemitteilung vom 06.12.2011


Schlamperei und Subventionsbetrug in Gatersleben

Am 27.10.2011 fand erneut eine Verhandlung im Rahmen es Zivilverfahrens um die Feldbefreiung in Gatersleben statt. Die Versuchsleiterin musste in der Befragung zugeben, dass der Versuch aufgrund von Fehlern der Durchführenden kaum auswertbar gewesen wäre, auch ohne Aktion. Die Beklagten und ihre Anwälte stellten inzwischen einen Strafantrag wegen Subventionsbetrug bei der Staatsanwaltschaft Magdeburg.

Hier weiterlesen: Pressemitteilung vom 27.10.2011