Über Gentechnik reden ist verboten!
Skandalöses Urteil gegen Feldbefreier in Gießen
2006 wurde ein Versuchsfeld mit gentechnisch veränderter Gerste der Giessener Universität in einer offen angekündigten Aktion befreit. Mehrere AktivistInnen gelangten in Begleitung eines Fernsehteams auf das massiv bewachte Feld und konnten dort Pflanzen herausreißen. Die Polizei war zwar schnell zur Stelle, zerstörte jedoch selbst auch erhebliche Teile des Feldes im Rahmen ihres Einsatzes.
Nun kam es vor dem Amtsgericht in Gießen zum Prozess gegen zwei der
Feldbefreier. Erstaunlicherweise waren die Verfahren gegen die weiteren
Beteiligten schon im Vorfeld eingestellt worden.
„Ich halte die
Einstellungen für politisch motiviert. Meiner Einschätzung nach wurden
hier willkürlich einzelne Gentechnikgegner herausgegriffen, die der
Justiz bereits bekannt waren und an denen ein Exempel statuiert werden
sollte“ so Hanna Poddig von der Initiative Gendreck-weg.
Das Verfahren verlief mehr als absurd. Richter Oehm verbot z.B. Fragen
an die Zeugen zur Rechtmäßigkeit dieses Versuchsfeldes und Fragen zum
Thema Gentechnik. In einem Prozess, in dem es um Gentechnik geht, lässt
das Befangenheit des Richters vermuten und verunmöglicht es den
Angeklagten herauszuarbeiten, welche Probleme und Gefahren diese
Technologie birgt.
Bisher ist eine solche Rechtsauffassung einmalig, denn in allen
bisherigen Prozessen wurde die Auseinandersetzung um die Rechtmäßigkeit
der jeweiligen Genfelder zumindest zugelassen. Einer der Angeklagten
wurde wegen des Äußerns von Kritik sogar aus der Verhandlung verwiesen
und die Öffentlichkeit wurde ausgeschlossen.
Nach drei Prozesstagen wurden die beiden Angeklagten zu jeweils sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. „Diese harte Verurteilung soll Menschen davon abhalten, sich gegen Gentechnik einzusetzen. Bedenkt man, dass wenige Konzerne grade die Kontrolle über unser aller Nahrungsmittel erlangen wollen ist Widerstand dagegen sicherlich legitim“ so Jutta Sundermann. „Wir lassen uns von diesem Urteil nicht einschüchtern und werden weiterhin Aktionen gegen Gentechnik machen“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verurteilten haben Rechtsmittel gegen das Urteil angekündigt.
Die Initiative Gendreck-weg solidarisiert sich mit den Gießener Feldbefreiern und verurteilt den Versuch der Justiz, den Widerstand gegen Gentechnik mit derart hohen Strafen anzugreifen.
Eklat im Gerichtssaal:
Prozess gegen Gießener Feldbefreier
2006 befreiten in Gießen nach vorheriger öffentlicher Ankündigung unabhängige FeldbefreierInnen das Gengerste-Versuchsfeld der Gießener Uni. Zwei erste Prozesstage fanden schon statt, beim Zweiten ließ der Richter zahlreiche Zuschauerinnen aus dem Saal entfernen und untersagte jede Diskussion über Gentechnik. Einiges mehr unter Indymedia: Bericht erster Tag und Bericht zweiter Tag.
Für den Mittwoch, den 3. September kündigten die Gentechnikgegnerinnen und -gegner eine Demonstration in Gießen an (Beginn 18.00 Uhr am Hauptbahnhof). Der nächste Verhandlungstermin ist am Donnerstag vormittag (4. September)

