Rückblick
2009: Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns!
Hier geht es auf direktem Wege zu den Highlights der letzten 12 Monate:
Zivilverfahren wegen der Feldbefreiung in Gatersleben
Kitzingen: Jubel-Demo statt Gegensaat
Gerichtsprozesse in Kitzingen
Feldbefreier im Knast
Feldbesetzungen unabhängiger Gruppen
Ausblick 2010 und Spendenaufruf
(Der Rückblick für die Jahre 2007 und 2008 befindet sich hier.)
Zivilverfahren wegen der Feldbefreiung in Gatersleben
Vorgeschichte 2008: GentechnikgegnerInnen machen Gentech-Weizen des wohl skandalösesten Versuchsanbaus im Lande unschädlich
Im April 2008 verschafften sich sechs Gendreck Weg-AktivistInnen Zugang zu einem Freisetzungsversuch von gentechnisch verändertem Weizen. Bis zum Eintreffen der Polizei gelang es ihnen, einen Großteil der Pflanzen unschädlich zu machen. Der Versuch wurde vom Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben durchgeführt und befand sich in unmittelbarer Nähe zur dortigen Genbank. Eine Auskreuzung auf die gentechnikfreien Sorten hätte somit verheerende Folgen für die zukünftige Züchtungsarbeit und könnte Ernährungsgrundlagen zerstören. Daher war der Versuch auch höchst umstritten, und seiner Genehmigung voraus gegangen waren massive Proteste.
Mehr Informationen zu den Hintergründen des Freisetzungsversuchs, zur Aktion sowie zu den beteiligten FeldbefreierInnen und ihren Argumenten gibt es auf den Gatersleben-Infoseiten.
Juristisches Nachspiel: Verhandlungen über Schadensersatzforderungen des IPK
Dieses Jahr begann nun das juristische Nachspiel der Aktion: Der erste Verhandlungstag war für Februar angesetzt, wurde jedoch kurzfristig verschoben, da das IPK seine Schadensersatzforderung spontan von anfänglich 170.000 auf 260.000 Euro erhöhte. Statt einer Verhandlung führten die Angeklagten daher ein öffentliches Prozesstraining durch, an dem über zwanzig Interessierte in den verschiedenen Rollen der Anwälte, Angeklagten und Richter teilnahmen.
Am 23. April fand dann im voll besetzten Gerichtssaal des Landgerichts Magdeburg und unter Anwesenheit zahlreicher JournalistInnen die erste Verhandlung statt. Horst Rehberger, Anwalt des IPK sowie ehemaliger Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalts (FDP), forderte nun 240.000 Euro von den FeldbefreierInnen. Die Forderung wurde vom Gericht zunächst als unbegründet zurück gewiesen, jedoch bekam Rehberger eine nochmalige Frist um die Schadensersatzforderung plausibler darzulegen.
Zur Pressemitteilung vom 23. April
Zu einem Video-Clip von Cine Rebelde über den ersten Verhandlungstag geht es hier (externer Link).
Zwischenurteil: Schadensersatzforderung wird teilweise abgewiesen
Nachdem das IPK die Forderung von 240.000 Euro aufrecht erhielt, verkündete das Gericht im Juni ein erstes Zwischenurteil: Die Klage wurde in Höhe von 140.000 Euro abgewiesen. Über die restlichen 100.000 Euro müsse weiter verhandelt werden, sie seien aber "dem Grunde nach" gerechtfertigt.
Zur Pressemitteilung vom 11. Juni
Wie geht es weiter?
Zivilverfahren: Beide Seiten legten Berufung gegen das vom Landgericht Magdeburg ausgesprochene Zwischenurteil ein. Die Ansicht der FeldbefreierInnen: Das Urteil hatte ihre Einwendungen, dass es sich bei der Aktion gar nicht um eine Sachbeschädigung, sondern um eine Rettungsmaßnahme für die Sortenvielfalt des Weizens und die bäuerliche Landwirtschaft handelte, gar nicht berücksichtigt. Es gibt also noch vieles zu sagen zum Thema rechtfertigender Notstand und "Geschäftsführung ohne Auftrag". Nun geht die Auseinandersetzung am Oberlandesgericht Naumburg in die nächste Instanz. Ein Verhandlungstermin ist noch nicht bekannt.
Außerdem startete inzwischen das Strafverfahren: Die Staatsanwaltschaft klagt die sechs Aktivist/innen wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung vor dem erweiterten Schöffengericht an. Auch vier Presseleute, die die Aktion journalistisch begleiteten, sind von der Anklage betroffen. Jetzt muss die Entscheidung der Richterin abgewartet werden.
In Arbeit ist außerdem eine Broschüre, in der die Fehler und Widersprüche bei der Versuchsdurchführung mit dem Genweizen dokumentiert werden sollen. Die Broschüre soll Anfang 2010 erscheinen.
Region Kitzingen: Jubel-Demo statt Gegensaat
14. März: Endlich! Genmais ist verboten!
Rechtzeitig vor der Aussaat hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner den Genmais Mon810 verboten. Damit war für dieses Jahr (erstmal) Schluss mit den großen kommerziellen Genmaisfeldern. Das war ein großer Erfolg auch der Freiwilligen Feldbefreierinnen und Feldbefreier! Wir freuten uns sehr.
Hier geht es zu unserer Pressemitteilung zum Genmaisverbot.
April: Vielfaltswochenende und Jubeldemo
Bereits vor dem Verbot von Mon810 liefen die Planungen für ein Vielfalts- und Aktionswochenende in Kitzingen, um einmal mehr für bäuerliche und vielfältige Landwirtschaft ohne Gentechnik einzutreten. Für den geplanten Saatguttausch standen mehrere Säcke gentechnikfreies Mais-Saatgut zur Verfügung; den Bauern sollte angeboten werden, das Gentech-Saatgut der Firma Monsanto gegen den gentechnikfreien Mais zu tauschen.
Auf dem Saatgutmarkt gab es die Möglichkeit, gentechnikfreies Saatgut zu erwerben und zu tauschen.
Gruppenfoto auf dem Vielfaltswochenende in Kitzingen
Für Sonntag, den 19. April, war eine Gegensaat geplant gewesen: Auf einem der für Genmais angemeldeten Felder sollte gentechnikfreie Saat ausgebracht werden. Aufgrund des Verbots von Mon810 wurde diese Aktion in eine Jubeldemo umgewandelt.
Mehr Infos:
Videoclip zum Wochenende